Rückblick 2026
Woche der Brüderlichkeit
Schulter an Schulter miteinander – Woche der Brüderlichkeit – Eröffnung des Jahres der christlich-jüdischen Zusammenarbeit 2026
Ein Rückblick
Unter dem bildstarken Motto „Schulter an Schulter miteinander“ haben wir im März wieder mit einer Vielzahl interessanter Veranstaltungen die Woche der Brüderlichkeit und das Jahr der christlich-jüdischen Zusammenarbeit in München eröffnet.
Quasi als „Pre-Event“ eröffneten wir zusammen mit dem Institut Français in dessen Räumlichkeiten bereits am 24. Februar die Ausstellung „Heimlich, laut und leise“. Die deutsch-französische Ausstellung, die vom Haus der deutschen Frauengeschichte konzipiert und von Dr. Laura Ingianni Altmann und Dr. Katrin Winter kuratiert wurde, rückt Frauen in den Mittelpunkt, die in unterschiedlicher Art und Weise, aus vielfältigen Gründen und Motiven und unter verschiedenen Bedingungen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben. Sie arbeitet mit biografischen Porträts aus Deutschland und Frankreich, historischen Einordnungen, mediengestützten Beiträgen sowie didaktischen Materialien und lädt zur Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur, Demokratie und Verantwortung heute ein. Mehrere hundert Menschen und auch einzelne Gruppen haben bis 13. März die informative Ausstellung besucht.
Eröffnung Ausstellung
Am 8. März haben wir im voll besetzten Saal des Alten Rathauses die Woche festlich eröffnet mit dem Festvortrag von Andreas Franck, dem Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz. Seinen engagierten Vortrag zum Motto können Sie hier nachlesen sowie einen Bericht von Ellen Presser in der Jüdischen Allgemeinen. Die ergreifende Begrüßungsrede unseres jüdischen Vorstandsmitglieds Celeste Schüler können Sie hier nachlesen.
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Kinderchören und einem Musikerensemble, die unter Leitung von Peter F. Schneider mit großer Begeisterung Lieder aus dem ihm neu herausgegebenen Liederbuch „Pray for Peace“ dargebracht haben.
Am 9. März fand in den Räumlichkeiten der Carl Friedrich von Siemens-Stiftung in Nymphenburg und in Kooperation mit der Eugen Biser-Stiftung ein Podiumsgespräch zum höchst aktuellen Thema „Zwischen Heilsbotschaft und politischem Statement: Religiöse Rede im öffentlichen Raum“ statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie religiöse Rede – verstanden als Ausdruck gelebten Glaubens – in gesellschaftlichen Diskursen Verantwortung übernimmt, prophetisch Kritik üben kann bzw. soll und zugleich der Versuchung politischer Vereinnahmung widersteht. Die Gesprächspartner auf dem Podium waren Erzbischof Dr. Reinhard Kardinal Marx, der islamische Theologe und Imam Dr. Esnaf Begić (Universität Osnabrück) und Rabbiner Dr. Edward van Voolen (Landesrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Israelitischer Tempelverband in der Hansestadt Hamburg). Man war sich auf dem Podium einig, dass Judentum, Christentum und Islam als prophetische und ethische Religionen einen Weltgestaltungsauftrag und damit auch politischen Auftrag haben, dabei aber immer auch in der Versuchung standen und stehen, selbst politische Macht auszuüben oder sich damit zu verbünden. Kriterium und primäre Option des politischen Engagements der Religionen aber sollte die Solidarität mit den Leidenden, Armen, Ohnmächtigen sein. Als Herausforderung wurde auch benannt, wie die Religionen heute überhaupt noch in der säkularen Öffentlichkeit zu Wort kommen können.
Am 10. März konnte in den Räumen der IKG München endlich die im letzten Jahr ausgefallene Buchpräsentation „Lieber Gott als nochmals Jesus – Eine humoristische Beichte“ mit Ilja Richter stattfinden. Der bekannte Entertainer, Schauspieler, Sänger etc. nahm seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreiste er das Thema Judentum/Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Musikalisch umrahmt und begleitet wurde er vom bekannten Pianisten Harry Ermer.
Lesen Sie dazu auch den Bericht von Nora Niemann in der Jüdischen Allgemeinen: Ilja Richter stellte sein neues Buch vor | Jüdische Allgemeine
Am 11. März waren wir in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom zu Gast. Der Gastgeber selbst, der Vorsitzende Prof. Bernd Sucher gab mit dem Schauspieler Robert Dölle eine Lesung mit Texten von und über Nelly Sachs zum Besten. Nelly Sachs hat wie kaum eine andere Dichterin das Leiden der verfolgten Juden und die Erfahrung der Schoa in poetische Sprache gefasst. Ihr Werk gehört zu den eindringlichsten literarischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts. Vorgestellt wurden Gedichte und Briefe, ebenso ihr Leben im Exil, ihre Freundschaften – u. a. mit Paul Celan – und ihre große, tragische Liebe. Ein Abend über Dichtung als Zeugnis, Erinnerung und Widerstand gegen das Vergessen.
Am Freitag Abend nahm eine Gruppe von über 40 Personen am Kabbalat-Schabbat-Gottesdienst in der Synagoge am Jakobsplatz teil, anschl. traf man sich zum Abendessen im koscheren Restaurant Einstein, zu dem Rabbiner Aharon Shmuel Brodman Segensgebete sprach und Erläuterungen zu den Texten am Schabbatbeginn gab.
Die Woche endete am 15. März mit einer musikalischen Lesung „Literatur trifft Klang – Joseph Roths Hiob“ (1930) im Haus des Deutschen Ostens (HDO) mit dem bekannten Sprecher Armand Presser und der begabten Pianistin Brigitte Helbig. Die eindrucksvollen Textpassagen und die stimmungsvolle Musik ließen die tiefgründige Atmosphäre dieses Meisterwerks lebendig werden. „Hiob“ ist ein Buch voller Bitterkeit und Zuversicht, das dazu einlädt, über Leid und Kraft des Glaubens nachzudenken. Dr. Lilia Antipow (HDO) moderierte und führte in die Thematik ein.
Das Jahr der christlich-jüdischen Zusammenarbeit „Schulter an Schulter“ war damit eröffnet und hat mit über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein eindrückliches Zeichen der Solidarität und der Gemeinschaft in München gesetzt.
Dr. Andreas Renz





