Suchers Leidenschaften: Szenischer Vortrag „Paul Celan”

Mit C. Bernd Sucher und Ingrid Resch anlässlich Paul Celans Geburtstag und #2021JLID
Wenige deutschsprachige Dichter haben den Schmerz der Juden nach der Shoa so eindringlich in Worte gefasst wie Paul Celan. Alles, was er geschrieben hat, die Vergangenheit bedenkend und in poetische, sehr moderne Bilder übersetzend, hat Bestand und Bedeutung für die Gegenwart, für jüdisches Leben heute in Deutschland.
Paul Celan, 1920 in Czernowitz, Rumänien (heute Ukraine), geboren, gilt zurecht als einer der bedeutendsten Dichter und Denker des 20. Jahrhunderts, denn er hat nicht allein Lyrik geschrieben, sondern sich auch in Prosa geäußert. Er war ein faszinierender Grenzgänger. Seine Werke sind von einer einzigartigen Emotionalität und zugleich sprachliche Wunder, denn nicht die Vernichtung, nicht der Tod ist sein eigentliches Thema, sondern die Sprache. Der Verfolgung entronnen, hatte er es schwer, sich im Leben zurecht zu finden. Seine Flucht 1947 über Ungarn nach Wien und später nach Paris bezeichnet einen Wendepunkt. Celan, ein jüdischer Ahasverus, der nirgendwo und mit keinem Menschen zur Ruhe kam – nicht mit seiner Geliebten, der Dichterin Ingeborg Bachmann, nicht mit seiner späteren Frau Gisèle Lestrange. Zuhause war er in der deutschen Sprache.
C. Bernd Sucher wird in seinem szenischen Vortrag zu erklären versuchen, was Celans Texte für die Gegenwart und einen
respektvollen Umgang von Juden und Nichtjuden in Deutschland zu leisten vermögen. Und wie deutsche Geistesgeschichte angenommen und weitergedacht wird in diesen poetischen Werken, was sich nicht zuletzt in Celans Beschäftigung mit dem Werk Heideggers niederschlägt und in seinem (gestörten) Verhältnis zur Gruppe 47. Der Tod ist Zentrum des Celanschen Oeuvres. Er wählte ihn, nachdem ihm das Leben zu einer unerträglichen Last geworden war.
Prof. Dr. C. Bernd Sucher studierte in Hamburg, Ann Arbor und München Germanistik, Theaterwissenschaft und Romanistik. Von 1980 bis 2003 war er verantwortlicher Redakteur für das Sprechtheater bei der Süddeutschen Zeitung, danach bis 2007 Exklusiv-Autor dieser Zeitung, daneben Autor bei Die Zeit. Er unterrichtete unter anderem am Moskauer Gitis-Institut und an der Deutschen Journalistenschule. Seit 1996 ist er Professor an der Hochschule für Fernsehen und Film in München (HFF) und leitet an der Theaterakademie den Ergänzungsstudiengang Theater-, Film- und Fernsehkritik.
Ingrid Resch, geb. in Berlin, wuchs in Tirol und ab 1946 in Gräfelfing auf, besuchte dort das Realgymnasium. Nach dem Abitur und einigen Semestern Theaterwissenschaft, absolvierte sie ihre Ausbildung an der Falckenbergschule, es folgten Engagements in Darmstadt, Kammerspiele München, Frankfurt a. M. und Freiburg, ferner Gastspiele in Hamburg, Augsburg, Zürich und Bern. Sie spielte in vielen Fernsehspielen, drehte Spielfilme unter der Regie von Bernhard
Wicki und Peter Zadek, arbeitete als Sprecherin und in Hörspielen am Rundfunk, vor allem in Frankfurt, Bremen, Stuttgart und Baden-Baden. Sie unterrichtete Atmen, Sprechen und Bewegung und macht seit vielen Jahren Literarische Lesungen.

Datum: Dienstag, 23. November 2021, 19 Uhr

Ort: Jüdisches Museum München, St.-Jakobs-Platz 16, 80331 München

Veranstalter: Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom in Kooperation mit Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in München, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München, dem Jüdischen Museum München und #2021JLID

Eintritt: 8 EUR

Anmeldung: Beth Shalom https://eveeno.com/Sucher_Resch_Beth_Shalom_2021

Seminar zur jüdischen Schriftauslegung: Das Buch Ruth

Mit Rabbiner Jonathan Magonet
Leitung: Domberg-Akademie/Dr. Andreas Renz

So kurz das Buch Ruth ist, so bemerkenswert ist es. Goethe nannte es „das lieblichste kleine Ganze…, das uns episch und idyllisch überliefert worden ist“. Es ist aber viel mehr als eine Idylle. Es thematisiert den Überlebenskampf von Frauen, es zeigt, wie eine Nichtjüdin in das Volk Israel aufgenommen wird. Der große König David wird Ruths Urenkel, und ihr Name findet sich im Stammbaum Jesu. Welche Bedeutung aber hat das Buch Ruth in der jüdischen Tradition, wo es zu den „fünf Festrollen“ gehört?
Entdecken Sie ein Stück rabbinischer Bibelauslegung.

Datum: 5. bis 7. November 2021

Ort: Schloss Fürstenried

Veranstalter: Domberg-Akademie und des Erzbischöflichen Ordinariats München in Kooperation mit der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Beth Shalom, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München und der Europäischen Janusz Korczak Akademie München

Anmeldung: info@domberg-akademie.de

Ronen Steinke: Antisemitismus in der Sprache – Warum es auf die Wortwahl ankommt

Auf die Wortwahl kommt es an: Ronen Steinkes Streitschrift „Antisemitismus in der Sprache“ belegt, wie tief sich Diskriminierung ins Vokabular eingeschrieben hat. Schon das Wort „Jude“ geht bis heute vielen schwer über die Lippen, so sehr hat die Geschichte ihre Spuren in der Sprache hinterlassen. Dennoch sind die Synonyme „semitisch“, „israelitisch“ oder „mosaisch“ keine gute Alternative. Während die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland und Europa wieder steigt und die gesellschaftliche Diskussion an Brisanz gewinnt, richtet Ronen Steinke den Blick auf unsere Alltagssprache: Welchen Beitrag leisten Worte bei der Verbreitung von Antisemitismus? Das reicht von eindeutigen oder subtilen Beleidigungen über die Aneignung jiddischer Vokabeln bis zu „Goysplaining“, Besserwisserei gegenüber Personen jüdischer Herkunft. Jiddische Worte wie „Tacheles“, „Schlamassel“ oder „meschugge“ werden im Deutschen oft gebraucht – und das ist in diesen Fällen auch in Ordnung, sagt Ronen Steinke. Warum das bei „Mischpoke“ oder „mauscheln“ aber anders ist und wieso eingedeutschte Begriffe wie „Sabbat“ Tabu sein sollten, erklärt der Autor in aufschlussreichen Beispielen. Manches wird überraschen: „Altes Testament“ ist kein neutraler Begriff für die Fünf Bücher Moses. „Antisemitismus“ ist ein durchaus ambivalentes Kunstwort. Und auch die „Macke“ hat jiddische Wurzeln. Steinke sensibilisiert uns für unsere Sprachhistorie, damit eine diskriminierungsfreie alltägliche Kommunikation möglich wird.
Ronen Steinke ist einer der profiliertesten politischen Journalisten der jüngsten Generation und unter anderem innenpolitischer Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Er studierte Rechtswissenschaft in Hamburg und Tokio. Nach seiner Biografie über Fritz Bauer entstand der preisgekrönte Kinofilm „Der Staat gegen Fritz Bauer“. Zuletzt erschien sein Buch „Terror gegen Juden: Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt“.
Das Gespräch führt BR-Journalist Sammy Khamis. Seine Arbeiten zu rechtsextremistischen und islamistischen Phänomenen, sowie der deutschen Innen- und Integrationspolitik thematisieren die Wichtigkeit von Wortwahl und Sprache fortlaufend.

Datum: Dienstag, 5. Oktober 2021, 19 Uhr

Ort: Jüdisches Museum München, St.-Jakobs-Platz 16, 80331 München

Veranstalter: Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom in Kooperation mit Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in München, dem Fachbereich Dialog der Religionen im Erzbischöflichen Ordinariat München, der Evangelischen Stadtakademie München, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München – Regensburg, dem Jüdischen Museum München und #2021JLID

Eintritt: 8 EUR

Anmeldung: Beth Shalom https://eveeno.com/Steinke_Beth_Shalom_2021

Sachor – Kunst und Literatur im Dialog: Exil in Palästina/Israel

Vortrag von Martin Dreyfus, Kunst von Marlis E. Glaser und Samuel Fischer-Glaser
Seit 1933, insbesondere aber nach 1938, war Palästina eines der wenigen verbliebenen Zufluchtsländer für Flüchtende aus Europa. So ließen sich u. a. die Schriftsteller*innen Arnold Zweig, Else Lasker-Schüler, Leo Perutz, Louis Fürnberg, Max Brod, aber auch die Religionsphilosophen Martin Buber und Schalom Ben Chorin (Fritz Rosenthal) in Palästina nieder. Einige von ihnen wandten sich nach dem Ende des Krieges zurück nach Europa, andere hielten über die Staatsgründung
Israels hinaus am Ort Ihrer Zuflucht fest. Ihr Einfluss hält teilweise bis in unserer Gegenwart an. Dem unterschiedlichen Verlauf und Einfluss und den Besonderheiten des Lebens einiger dieser Autoren soll im einführenden Vortrag nachgegangen werden.
Martin Dreyfus ist Lehrbeauftragter, in der Erwachsenenbildung und im Kulturmanagement tätig. Er lebt als Sammler und „Bibliothekar“ seiner zunehmenden Bestände in und bei Zürich und arbeitet freiberuflich als Lektor.
Marlis E. Glaser ist freiberufliche Künstlerin. Sie arbeitete über Frauen der Französischen Revolution, über Janusz Korczak, und seit 2002 zu Symbolik jüdischer Feiertage in Verbindung mit der Lyrik Else Lasker-
Schülers und zu literarischen Baum-Metaphern.
Samuel Fischer-Glaser ist Schriftsteller und Bildhauer, der sich in seiner wort- wie bildkünstlerischen Arbeit einer kritischen Auseinandersetzung mit jüdischer Identität und deutscher Geschichte verschreibt.

Datum: Dienstag, 13. Juli 2021, 19 Uhr

Ort: Jüdisches Museum München, St.-Jakobs-Platz 16, 80331 München

Veranstalter: Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom in Kooperation mit Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in München, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München – Regensburg, dem Fachbereich Dialog der Religionen im Erzbischöflichen Ordinariat und dem Jüdischen Museum München und #2021JLID

Eintritt: 8 EUR

Anmeldung: Beth Shalom https://eveeno.com/Sachor_Beth_Shalom_2021