Woche der Brüderlichkeit 2021 „… zu Eurem Gedächtnis: Visual History“ 7. März bis 14. März

Von Sonntag, 7. März 2021 bis Sonntag, 14. März 2021 fand die Woche der Brüderlichkeit unter dem Motto „… zu Eurem Gedächtnis: Visual History“  statt. 

Die festliche Eröffnungsfeier
fand am 7. März 2021 im Saal des Alten Rathauses München mit Grußworten von Staatsminister Dr. Florian Herrmann und Bürgermeisterin Verena Dietl sowie einem Festvortrag von Prof. Dr. Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München statt.

Die weiteren Veranstaltungen im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit finden Sie hier: Woche der Brüderlichkeit 2021

Prof. Mirjam Zadoff, Bürgermeisterin Verena Dietl und Staatsminister Dr. Florian Herrmann

 

 

 

 

 

Festvortrag von Prof. Dr. Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München

Sehr geehrter Staatsminister Dr. Hermann, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dietl, lieber Herr Dr. Renz, Herr Professor Pitum und Herr Rektor Schübel, meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Zu Eurem Gedächtnis: Visual History“ – unter diesem Titel steht die Woche der Brüderlichkeit 2021, und ich bedanke mich für die Einladung, den Festvortrag zu halten. Es freut und ehrt mich, heute hier zu sein.

Als Historikerin des Nationalsozialismus und der jüdischen Geschichte ist „Visual History“ von zentraler Bedeutung für meine Arbeit. „Visual History“ – also die Visualität von Geschichte aber zugleich auch die Historizität des Visuellen – dieser Begriff wurde Anfang der 1990er Jahre im deutschsprachigen Raum eingeführt durch den Zeithistoriker Gerhard Jagschitz; ich gehörte damals zu seinen Studierenden an der Universität Wien. Jagschitz forderte eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem Medium Bild in der Art, wie man kurz zuvor begonnen hatte, mit Tondokumenten im Bereich der Oral History umzugehen. Als Chronist des Nationalsozialismus und der im Namen des Regimes begangenen Völkermorde war Jagschitz die immense Bedeutung von Ton- und Bilddokumenten – zusätzlich zu gedruckten Quellen – bewusst. Denn die Annäherung an die Verbrechen kam einer schwierigen und mühevollen Spurensuche gleich: Viele Beweise waren von den Tätern vernichtet worden, und andere Quellen, die erst Jahrzehnte später auf Dachböden oder in Secondhand-Läden aufzutauchen begannen.

Damals, vor etwas mehr als 30 Jahren, hatten Historiker*innen gerade angefangen, die Erinnerungen von Überlebenden zu dokumentieren. 1985 war das epochale Werk von Claude Lanzmann, sein Film Shoa, erschienen: eine neunstündige Dokumentation und Sammlung von Interviews und aktuellen Ansichten der Orte der Verbrechen. Entstanden über einen Zeitraum von elf Jahren versuchte „Shoa“ eine erste Annäherung an die nicht darstellbaren Momente der Vernichtung. Lanzmann verzichtete auf den Einsatz historischer Fotographien und Filme, um die Konzentration ganz auf die Erzählungen zu fokussieren: die Erzählungen der Überlebenden, der Bystander/also der Zuschauer*innen und von (heimlich) gefilmten Tätern. Die ikonographischen Bilder seines Films begleiten uns bis heute – nicht zuletzt, da es nur eine Handvoll von Photographien gibt, die den millionenfachen Mord durch die Nationalsozialisten und ihre Helfershelfer festhalten. Diese Fotos zeigen etwa das jüdische Sonderkommando in Auschwitz Birkenau, schemenhafte Körper im Wald auf dem Weg zur Gaskammer, oder die 2009 aufgetauchte Fotographie von der Erschießung einer ukrainisch-jüdischen Familie – eine Aufnahme, die die Historikerin Wendy Lower in mühevoller, zehnjähriger Arbeit vor kurzem entschlüsselt hat.

Was sich oft nur wenige Meter von den Tötungsorten entfernt zugetragen hat, zeigen die vor einem Jahr entdeckten Fotographien aus dem Nachlass von Johann Niemann, dem stellvertretenden Kommandanten von Sobibor. In dieses Vernichtungslager an der Ostgrenze Polens wurden fast ausschließlich Jüdinnen und Juden deportiert, die meist unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast wurden. Auf den Fotos aus Niemanns Nachlass sehen wir unter anderem, wie eine kleine Gruppe junger Männer und Frauen sich auf einer sonnigen Terrasse amüsiert – vor ihnen gut gefüllte Wein- und Biergläser. Eine harmlose Szene, wenn sie sich nicht in unmittelbarer Nähe zu den Gaskammern ereignete. Ähnliche Aufnahmen existieren vom Wachpersonal in Auschwitz – fröhliche junge Menschen, die sich in Liegestühlen räkeln, musizieren oder Blaubeeren essen: Aufnahmen aus der Solahütte, einem Erholungsheim der SS in idyllischer Landschaft mit Seeblick, 30 km von Auschwitz entfernt, dem Lager, in dem über eine Million Menschen – Jüdinnen, Juden, Roma, Sinti, Polen und andere – ermordet wurden. Die Bilder des feiernden Mordpersonals zeigen keine Grausamkeiten, keinen Schrecken, sie zeigen keine Deportierten oder Ermordete. Trotzdem gehören sie mit zu den eindrücklichsten Aufnahmen der Vernichtung und des Genozids: Menschen, die ihr Leben genießen, während sie tagtäglich unvorstellbares Leid hervorrufen, beaufsichtigen oder beobachten.

Der Blick der „Visual History“ verbindet historisches und kunsthistorisches Wissen, und sensibilisiert den Blick der Betrachter*innen. Denn Bilder sind nicht immer, was sie scheinen – und ihre Deutung verlangt Feingefühl, Wissen und Erfahrung. Vor wenigen Tagen hatte ich das Vergnügen, den Vortrag einer jungen deutsch-israelischen Forscherin zu moderieren, die ein ungewöhnliches Konvolut von Fotos vorstellte: Schnappschüsse, die jüdische Jugendliche mit ihren eigenen Kameras machten, die sie vielleicht zu Bar und Bat Mitzvah oder zum Geburtstag erhalten hatten. Wir sehen auf diesen Bildern Teenager, die mit ihren Fahrrädern von Bonn nach Köln radeln, oder per Anhalter durch Deutschland unterwegs sind; Landschaften, Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen. Das kleine, aber wichtige Detail, das diese Bilder erst im richtigen Licht erscheinen lässt: Die Fotos wurden teilweise 1936 aufgenommen, zum Teil 1939 – zu einer Zeit also, als das Leben und die Mobilität von Jüdinnen und Juden in Deutschland bereits eingeschränkt und ihnen viele Aktivitäten verboten waren. Trotzdem gelang es ihnen, sich ein kleines Stück Unabhängigkeit und Mobilität zurückzuholen und diese kurzen Momente auch zu dokumentieren. Keine Frage, es erforderte Mut, per Fahrrad oder Anhalter unterwegs zu sein, obwohl der öffentliche Raum feindlich oder gefährlich war; diese Ausflüge obendrein zu dokumentieren; und schließlich die Fotoalben auf die Flucht mitzunehmen und für die zukünftige Erinnerung zu retten. Diese Bilder dokumentieren nicht die Verfolgung und wachsenden Einschränkungen, sondern die kurzen, mutigen Fluchten junger Männer und Frauen, die eine große Ausnahme und Seltenheit darstellten. Auf Umwegen erzählen uns diese erkämpften Handlungsspielräume davon, wie bedrängt der Alltag gewesen war, aus dem man sich davonstahl.

In Knickerbockern und mit Rucksäcken holten sich diese Jugendlichen ein Stück weit den öffentlichen Raum zurück, der ihnen durch das Regime genommen worden war. In ihren Fotographien schrieben sie sich selbst trotzig in Straßen und Ansichten ein, in denen für Jüdinnen und Juden und Angehörige anderer Minderheiten kein Platz mehr vorgesehen war. Das Regime bestimmte, dass seine angeblichen Feinde innerhalb der deutschen Bevölkerung im öffentlichen Raum nur mehr in negativen, verzerrten Bildern dargestellt werden durften: in der Propaganda des „Stürmers“ etwa, wo regelmäßig die angeblichen Verschwörung eines „Weltjudentums“ in Karrikaturen visualisiert wurde; oder im Spielfilm „Jud Süss“, der Juden als Vergewaltiger deutscher Frauen darstellte und den 20 Millionen Menschen sahen; oder auch in den großen Propagandaausstellungen wie der Schau „Der ewige Jude“ – die im November 1937 hier in München, im Bibliotheksbau des deutschen Museums eröffnet wurde.

Auf 3500 Quadratmetern und in 20 Sälen inszenierten damals die mit der Ausstellung beauftragten Kuratoren hetzerischen Antisemitismus in Objekten, gefälschten Statistiken, ins Monströse vergrößerten Fotos und angstmachenden Weltkarten. Ein begeisterter Joseph Goebbels reiste an, Schulklassen wurden zwangsverpflichtet, über 5000 Besucher*innen kamen jeden Tag. Die Ausstellung wanderte weiter nach Wien, Berlin, Bremen, Dresden und Magdeburg und wurde von über einer Million Menschen gesehen. Eine ähnliche Schau wurde im Herbst 1941 im besetzten Paris einem französischen Publikum vorgesetzt. Lobend kommentierte der Völkische Beobachter: „So hat diese absolut objektive, fast leidenschaftslose Ausstellung den Zweck, jedem die Augen zu öffnen anhand unwiderlegbarer Dokumente.“ Zu diesen angeblich objektiven Dokumenten zählten: Nasen, riesenhaft vergrößerte Nasen, Münder und Ohren, groteske Karnevalsobjekte in musealen Glasvitrinen. Dazwischen fanden sich, kleiner und fast schon unscheinbar, Gipsmasken deutscher Jüdinnen und Juden – in Konzentrationslagern angefertigte Lebendmasken, mit denen deportierte und gequälte Menschen in Ausstellungsobjekte transformiert wurden.

Die Tradition der Lebendmasken reicht zurück bis ins späte 19. Jahrhundert, als in der deutschen Kolonie Papua-Neuguinea Gipsmasken der indigenen Bevölkerung angefertigt wurden, die man später kolorierte und im Berliner Wachsfigurenkabinett ausstellte. Diese koloniale Technik, Gesichter in Objekte für die Wissenschaft zu verwandeln, wurde bald von der Fotographie abgelöst. Nicht zufällig holten Nazi-Kuratoren diese koloniale Praxis 1937 zurück ins Museum – es galt, aus Deutschen Fremde zu machen, aus bekannten Gesichtern „Unzivilisierte“, aus Vertrauten Feinde. Material und Technik sollten visualisieren, was die Propaganda täglich in ihren Slogans und Hetzreden wiederholte: dass es Deutsche gab, denen alles zustand, und solche, denen alles abgesprochen wurde – auch das Deutschsein und die damit verbundenen Rechte.

Die Weimarer Republik war zweifelsohne eine problematische, fehlerhafte und fragile Demokratie gewesen – aber sie war näher an einer offenen, vielfältigen Gesellschaft, als alles, was Deutschland bis dahin erlebt hatte. Weimar brachte Freiheiten und ein neues Selbstverständnis für Frauen, Minderheiten und eine bis dahin weitgehend stumme Jugend. Dieses rasche und wilde Aufblühen gesellschaftlicher Diversität wurde 1933 mit allen Mitteln aus dem öffentlichen Leben entfernt, Museen und Bibliotheken wurden von ihr gesäubert, ihre Vertreter*innen unterdrückt und verfolgt. An Stelle der Vielfalt rückte eine imaginierte „Volksgemeinschaft“, weiß, homogen, nationalistisch, antisemitisch – eine Gesellschaft, die angeblich die Kontinuität deutscher Kultur und Tradition repräsentierte und dabei die Geschichte der modernen Migration ungeschrieben machen wollte. Die meisten Jüdinnen und Juden, die 1933 zu Fremden und Feinden erklärt wurden, lebten seit Generationen in Deutschland. Um ihre Isolation, Beraubung und Verfolgung zu rechtfertigen, bediente man sich alter antisemitischer Feindbilder und vermischte sie mit (anti)modernen Verschwörungsmythen und pseudowissenschaftlicher Rassenforschung.

Eine der Gipsmasken, die 1937 in München ausgestellt wurden, zeigte Werner Scholem, der zu Beginn der Zwanziger Jahre ein bekannter deutscher Politiker gewesen war. Der Sohn aus bürgerlich-jüdischem Haus und Bruder des späteren Religionswissenschaftlers Gershom Scholem machte sich zu Beginn der Weimarer Republik einen Namen als einer der jungen Radikalen in der kommunistischen Partei. Damals entwickelte Joseph Goebbels eine persönliche Feindschaft gegenüber Scholem – eine gefährliche Prominenz: Mitte der 1920er Jahre zierte sein Porträt nationalsozialistische Wahlplakate. Kurz darauf geriet Scholem in Clinch mit den Stalinisten in der KPD – und flog 1926 aus der Partei.

Doch trotzdem tauchte sein Konterfei mehr als zehn Jahre später in der großen Münchner Propagandaausstellung auf – als Inbegriff des Feindes im eigenen Land, des jüdischen Bolschewisten. Die Gipsmaske war im KZ Dachau angefertigt worden, wo Werner Scholem damals inhaftiert war. Eine entfernte Verwandte entdeckte das Objekt in der Ausstellung – wäre nicht auch ein Namensschild angebracht gewesen, hätte sie ihn nicht erkannt: Vier Jahre Haft in Gefängnissen und Konzentrationslagern hatten Spuren an dem 41Jährigen hinterlassen, und die Gipsmaske zeigte einen älteren Mann. Weniger als 3 Jahre später, im Sommer 1940, wurde Werner Scholem im KZ Buchenwald erschossen – einer von Zigtausenden, die grundlos aus der Gemeinschaft der deutschen Nation ausgeschlossen worden waren und derer man sich erst Jahrzehnte später wieder erinnerte – wenn überhaupt.

„Es gibt Menschen“, so schreibt der vietnamesisch-amerikanische Schriftsteller Ocean Vuong, „die meinen, Geschichte vollziehe sich als spiralförmige Bewegung und nicht linear, wie wir vermuten. Wir bewegen uns auf einer Kreisbahn durch die Zeit, und unsere Entfernung wächst von einem Epizentrum fort, nur um wieder reduziert um eine Windung, dorthin zurückzukehren.“ Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, sondern über biographische und strukturelle Kontinuitäten mit dem Heute verbunden. Auch wenn Geschichte sich nicht wiederholt, ähnelt sie sich doch, wenn wir über Strukturen der Ausgrenzung, faschistische und populistische Ideologien oder Rassismus und Antisemitismus nachdenken.

In diesem Sinn ist auch das Erinnern ein Prozess, der sich aus der jeweiligen Gegenwart nährt – das Erinnern an Nationalsozialismus und Holocaust reflektiert diese Prozesshaftigkeit besonders deutlich, weshalb der gern gebrauchte Begriff der Erinnerungskultur irreführend ist: Ohne Kenntnis seiner Genese könnte man glauben, es handle sich um eine per Dekret beschlossene politische Entscheidung, die das Erinnern in den 1950er oder 60ern in die Parlamente und Innenstadtlagen geholt und eine breite Gedenkkultur installiert hat. Nichts an diesem Begriff verweist auf den langwierigen, konfliktreichen und oft schmerzhaften Prozess, der fast ausnahmslos auf die hartnäckige Initiative Einzelner – auf Lehrer*innen und Mitglieder von lokalen Geschichtswerkstätten – zurückging; ein Prozess, der erst 45, 50 Jahre nach Kriegsende erste große und sichtbare Erfolge verzeichnete.

Was heute gern mit Stolz unter den Errungenschaften der „deutschen Erinnerungskultur“ genannt wird, verdanken wir in erster Linie den Überlebenden. Noch 1966 befürchtete Jean Améry, dass es für deutsche Jugendliche dereinst unmöglich sein werde, Goethe zu zitieren, aber Himmler auszulassen. Améry war einer von vielen Überlebenden, die schmerzhaft zu Zeugen der deutschen Verdrängung und Ignoranz der Nachkriegsjahre wurden. Sie waren es, die über Jahrzehnte einen widerständigen Kampf für das Erinnern geführt haben, und es dauerte bis in die 1980er und 90er Jahre, bis ihre Erzählungen endlich ein breites Publikum erreichten. Noch Ende der 1980er Jahre führte Saul Friedländer einen richtungsweisenden Briefwechsel mit Martin Broszat, dem Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte. Broszat vertrat die damalige Sicht der deutschen Zeitgeschichte, als er die Erinnerungen der Überlebenden zu „geschichtsvergröbernde(n) Mythen“ degradierte, die einer objektiven, auf den Hinterlassenschaften der Täter basierenden Wissenschaft gegenüber stünden. Den Tätern und ihren Nachkommen wurde damit größere Sachlichkeit und Neutralität zugesprochen als den Zeitzeug*innenn und ihren Nachkommen. Friedländer, Überlebender und Professor für Geschichte in Israel und den USA, konterte und forderte eine „integrierte Geschichte“, die Täter- und Opferperspektiven verknüpft und sich damit von einer Deutungshoheit der Täternation loslös. Friedländers Forderung nach einem multiperspektivischen Erinnern brachte einen damals längst fälligen Wandel im deutschen Nachdenken über die nationalsozialistischen Verbrechen – und sie kann als Vorbild dienen für die Aufarbeitung anderer Traumata, von rassistischer und kolonialer Unterdrückung. Seine Geschichte zeigt, wie wichtig widerständiges Denken für die Ausbildung von Erinnerungsdiskursen war – und es bis heute ist.

Am kommenden Dienstag werden meine Kolleg*innen und ich das große Vergnügen haben, die Türen des NS-Dokumentationszentrums am Max Mannheimer-Platz wieder zu öffnen. Vor einem Jahr, kurz vor den ersten pandemiebedingten Schließungen, war in den Räumen unseres Hauses noch die Ausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“ zu sehen – eine Ausstellung, die von der Presse unter dem Titel „.Erinnern, um die Welt neu zu denken“ besprochen wurde – und darin lag auch ein Ziel der Schau. Über 50 teilweise eigens für die Ausstellung entstandene künstlerische Arbeiten stellten Fragen an die deutsche Erinnerungskultur oder brachten diese in einen Austausch mit anderen kulturellen und nationalen Diskursen über traumatische Vergangenheiten. In diesem Rahmen entstand auch die Arbeit „The Steeple and the People“ der kanadischen Künstlerin Ydessa Hendeles, die in der Kirche der Abtei St. Bonifaz zu sehen war. Die als Tochter von Auschwitz-Überlebenden in Deutschland geborene und in Kanada aufgewachsene Künstlerin ließ sich mit ihrer Installation sensibel auf diesen besonderen Ort ein. In St. Bonifaz, als Kloster und Gemeindezentrum, stehen Gebet, Einkehr und Gemeinschaft im Vordergrund. Ydessa Hendeles schuf dafür eine zeitgenössische künstlerische Fabel, die – rund um die Geschichte der jüdischen Gemeinde Fürth – eine alternative, utopische Auslegung einer eigentlich dystopischen Erzählung der Vergangenheit entwickelte: Trennung und Verfolgung wurden dabei in eine Geschichte von Akzeptanz und Hoffnung verwandelt. Im Zentrum der aufwendigen Installation befand sich eine kleine, zerknitterte Fotographie einer Gruppe von Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Jahr 1932 – das einzige Familienfoto des Vaters der Künstlerin, das er wahrscheinlich über seine Jahre in Auschwitz bei sich getragen und gerettet hatte. Und da ist sie wieder, die dystopische Vergangenheit, die sich nicht vergessen lässt und sich nicht vergessen lassen darf. Es ist dem Abt von St. Bonifaz, Johannes Eckert, und dem Gemeindepfarrer, Korbinian Linsenmann zu verdanken, dass dieses vielschichtige Kunstwerk, ein Meisterbeispiel der visual history und der Gedächtnisarbeit, beinahe ein Jahr lang in die Gemeindearbeit der Pfarrei und das Alltagsleben der Abtei integriert wurde.

Im Rahmen der Ausstellung waren auch einige künstlerische Arbeiten mit Bedacht in den Räumen der historischen Dauerausstellung „München und der Nationalsozialismus“ platziert worden, darunter das Werk „Entryways“ der amerikanischen Künstlerin Diamond Stingily: eine abgenutzte Holztür, an der ein Baseballschläger lehnt. Stingily thematisiert damit die Gewalt und Exponiertheit, die den Alltag von Afroamerikaner*innen und POCs in Amerika prägen. Für die Künstlerin hat dieses Bild auch eine positive Konnotation, indem es an den geschützten Ort erinnert, den ihre Großmutter für ihre Enkelkinder geschaffen hat. In München war „Entryways“ umgeben von Fotos und Dokumenten zur Entsolidarisierung und Radikalisierung der Münchner Gesellschaft durch die junge NS-Bewegung und ihre Sympathisant*innen in Politik, Polizei und Justiz in den frühen 1920er Jahren. Als eine Gruppe amerikanischer Politiker*innen im Winter 2020 die Ausstellung besuchte, löste dieses Objekt und seine Platzierung eine emotionale Diskussion aus: über den deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte und über die Frage, welche Herausforderungen sich daraus für den amerikanischen Kontext ergeben. Die Trump-Präsidentschaft hat in Amerika heftige geschichtspolitische Debatten in Gang gesetzt, an denen sich ablesen lässt, wie zentral die Deutung von nationalen Vergangenheiten für die aktuelle Krise der Demokratie ist. In dem Gespräch der Politiker*innen untereinander fiel auch die Bemerkung, dass die Nazis das absolute Böse gewesen wären und deshalb mit nichts vergleichbar. Eine solche Charakterisierung der Täter als a-menschliche Monster ist jedoch zu einfach, denn gerade im Menschsein der Täter liegt die wahre Drastik und Dramatik, wie die eingangs erwähnten Aufnahmen des feiernden Mordpersonals belegen.

Aber auch die Frage der breiten gesellschaftlichen Verantwortung – jenseits der bekannten Täterfiguren – spielt eine Rolle, wenn wir aus der historischen Erfahrung lernen wollen: im Besonderen aus der schleichenden Radikalisierung einer toleranten Gesellschaft; aus dem Empathie-Verlust gegenüber Freunden, Nachbarn oder Kollegen; aus der Verantwortung der Ermöglicher und Unterstützer – im Fall Hitlers der Münchner Oberschicht und der Industrie; und natürlich aus der Rolle der unscheinbaren Mitläufer; der Profiteure und Stillhalter, die das Rückgrat des Regimes bildeten. Die Grauzonen sind es, aus denen die Relevanz und Notwendigkeit gesellschaftlicher Solidarität, Verantwortung und Zivilcourage spricht.

Haben wir also alles richtig gemacht und können stolz sein auf eine Erinnerungskultur, die erfolgreich in den deutschen Innenstädten und Parlamenten angekommen ist? Ja und Nein, bedenkt man, dass momentan in denselben Parlamenten eine „Erinnerungswende“ gefordert wird, und durch ebendiese Innenstädte Pandemieleugner im Verbund mit Verschwörungsfanatikern und Rechtsradikalen marschieren und sich als Opfer einer „Corona-Diktatur“ begreifen, mit gelbem Stern an der Brust und Vergleichen mit Anne Frank und Sophie Scholl im Mund. Was ist falsch gelaufen, wenn gewaltsame antisemitische und rassistische Übergriffe zunehmen, wenn rechtsextreme Ideologien in Polizei und Militär kolportiert werden – ohne dass eine Gesellschaft sich geschlossen und solidarisch zur Wehr setzt? Wenn in der Woche des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus – und damit auch der als „Zigeuner“ verfolgten und ermordeten Roma und Sinti – in einer Talkshow darüber schwadroniert wird, dass an dem Begriff „Zigeunerschnitzel“ doch wirklich nichts Verletzendes sei? Wenig später erinnerte Deutschland sich der Toten von Hanau am ersten Jahrestag des terroristischen Anschlags: Unter ihnen war auch die deutsche Romni Mercedes Kierpacz, deren Urgroßvater in Auschwitz vergast worden war.

Hat der Geschichtsunterricht versagt? Oder verblasst die Erinnerung in einer Art natürlichem Vorgang, weil die zeitliche Distanz wächst? So wichtig ritualisiertes Gedenken ist (und daran habe ich keinen Zweifel), bleibt es doch inhaltsleer oder läuft Gefahr, instrumentalisiert zu werden, wenn sich keine Verantwortung für politisches Handeln, für Menschlichkeit und Empathie daraus ableitet.

Kürzlich wurde ich in einem Interview gefragt, ob nicht auch heutige Stätten jüdischer Kultur in Deutschland als Erinnerungsorte betrachtet werden müssten? Diese Frage enthüllt den Kern eines großen Problems unserer Erinnerungskultur. Denn Synagogen oder Kulturzentren von Roma und Sinti sind keine Erinnerungsorte der deutschen Verbrechen und Genozide – sie sind Symbole dessen, was vergessen wurde: die Geschichte der Diversität und Vielfalt vor 1933, die der Homogenisierungswahn der Nazis aus Bibliotheken, Museen, Archiven und dem Bewusstsein der Menschen „gesäubert“ hat, und damit die Kontinuität eben dieser Diversität nach 1945. Die Drohung, aus dem europäischen Gedächtnis gelöscht zu werden, war den Verfolgten nur allzu bewusst: Im Warschauer Ghetto fand sich eine Gruppe von Intellektuellen um den Historiker Emanuel Ringelblum und sammelte alles, was an Dokumenten und Artefakten auffindbar war, um nicht nur die Geschichte des Ghettos und der Verfolgung zu dokumentieren, sondern auch die Geschichte des polnischen Judentums vor 1939.

Bis heute finden sich viele Bücher, die Wolfgang Hermann 1933 auf seine „Schwarze Liste“ aufnahm und die daraufhin öffentlich verbrannt wurden, nicht mehr in deutschen Bibliotheken, bis heute tauchen Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, und andere in vielen Schulcurricula gar nicht oder nur als Verfolgte auf – nicht aber dort, wo ihr Platz wäre: im Zentrum der deutschen Geschichte als einer multiperspektivischen Erzählung. Diversität, gegenwärtige und vergangene, hat sich nicht adäquat in ein deutsches Kulturverständnis eingeschrieben, und es gilt, neue Erzählungen zu entdecken und vergessene Menschen zu feiern. Um globale, rechtsextreme Allianzen abzuwehren, brauchen wir eine offene Gesellschaft, in der Minderheiten ohne Vorbehalte geschützt werden und Anteil haben an demokratischen Prozessen und an Erinnerungsdiskursen – nicht als zu erziehendes Publikum oder gar als „Objekte“ in Sammelgebieten von Museen, Archiven oder Bibliotheken, sondern als aktive Träger*innen einer vielfältigen Kultur und Erinnerung.

Claus Hierluksch und Ricarda Fuss, Mitglieder des Arcis Saxophon Quartetts



Schabbat-Eröffnung mit traditionellem Abendessen (Kabbalat-Schabbat-Feier)

Erklärende Worte: Rabbiner Steven E. Langnas

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum. Synagoge
und Restaurant Einstein, St.-Jakobs-Platz 18 (U 3/6 und S 1-8 Marienplatz)
Herren mit Kopfbedeckung angemessene Kleidung
Beginn: 18:00 Uhr am 13. März 2020
Gedeck pro Person: 30.- Euro incl. Getränke
Nur begrenzte Teilnehmerzahl möglich
Bitte beachten Sie: schriftliche Anmeldung bis 7. März
bei der Geschäftsstelle Tel. 594 720; info@gcjz-m.de
Teilnahmebestätigung nach erfolgter Einzahlung

»Das gibt es nur in Israel: Ein ganz normales Land. Aber nur fast«

Buchpräsentation und Vortrag mit Ben Segenreich
Es gibt eine endlose Liste von Dingen (aus Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Alltag), die es so nur in Israel gibt: Hightech, gutes Essen und viel Lebenslust, aber auch Sirenen, Gasmasken und Terror. ORF-Korrespondent Ben Segenreich, der nach München kommt, und seine Frau Daniela, seit dreißig Jahren in Israel zu Hause, zeichnen in ihrem Buch ein vielschichtiges Bild des kleinen Landes im Nahen Osten: Kenntnisreich, humorvoll und sehr persönlich wird die Wiederentstehung und Selbstbehauptung dieses Staates nach 2000 Jahren betrachtet.

Kooperationspartner: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München (U 3/6 und S 1-8 Marienplatz)
Beginn: 19:00 Uhr am 12. März 2020
Eintritt: € 8.-/7.-; Schüler, Studierende bis 30 Jahre, Münchenpass-Inhaber frei.
Anmeldung: Geschäftsstelle der GcjZ München, Tel. 594 720, info@gcjz-m.de oder Büro d. IKGKulturzentrums, Tel. 20 24 00-491, karten@ikg-m.de

Ben Segenreich

Johannes Rehm, Dr. Andreas Renz, Ben Segenreich, Rektor Reiner Schübel

»Der Jude Jesus und die Zukunft des Christentums «

Dr. Norbert Reck, Theologe, Publizist und Übersetzer. Dass Jesus Jude war, ist nichts Neues. Aber seine Treue zur Tora, die keine Abstriche am Judentum machte, war für die christliche Theologie immer ein Problem. Sie versuchte, ihn vom Judentum abzuheben und schuf einen immer abstrakteren Christus, der mit dem irdischen Jesus kaum noch etwas zu tun hatte. Die Krise der christlichen Kirchen in Europa hängt damit zusammen, meint Norbert Reck und sagt: Ohne ein neues Verhältnis zu dem Juden Jesus gibt es keine Zukunft für das Christentum.

Kooperationspartner: Evangelische Stadtakademie München; Münchner Bildungswerk, Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte.
Veranstaltungsort: Karmelitersaal, Karmeliterstr. 1, 80333 München (U und S: Stachus; Tram 19 (Richtung Berg am Laim): Lenbachplatz)
Beginn: 19:00 Uhr am 11. März 2020
Eintritt: € 8.-/7.-; Schüler und Studierende bis 30 Jahre frei
Anmeldung: Geschäftsstelle der GcjZ München, Tel. 594 720, info@gcjz-m.de oder Evang. Stadtakademie München, Tel. 5490270, info@evstadtakademie.de

Von Links: Ludwig Schmidinger, Dr. Norbert Reck, Dr. Andreas Renz

»900 Jahre jüdisches Leben in Schlesien« (2018)

Buchpräsentation / Lesung.
Referent: Prof. Dr. Arno Herzig
Das im Görlitzer Senfkorn Verlag erschienene Buch bietet eine Gesamtdarstellung der wechselvollen Geschichte der Juden in Schlesien, die die Zeit vom 12. bis zum 21. Jahrhundert umfasst. Aufgezeigt werden die Diskriminierungen und Konflikte, denen die Juden bis hin zum Holocaust auch in Schlesien ausgesetzt waren. Dargestellt wird aber auch der herausragende Beitrag, den die jüdische Bevölkerung allein in Breslau mit fünf Nobelpreisträgern und Persönlichkeiten wie Edith Stein oder Ferdinand Lasalle zur schlesischen Hochkultur und deutschen Kulturgeschichte geleistet hat. Die Begriffe Jude oder Judentum werden dabei von Prof. Arno Herzig nicht im konfessionellen Sinne verstanden, sondern es werden auch Persönlichkeiten berücksichtigt, die durch Austritt oder Konversion nicht mehr zur jüdischen Geschichte zählen, aber doch in der einen oder anderen Form dem Judentum verbunden blieben.
Professor Dr. Arno Herzig (geb. 1937 in Albendorf/Grafschaft Glatz) ist Historiker mit dem Schwerpunkt Frühe Neuzeit. Für seine Aufsätze und Monographien zur Geschichte Schlesiens erhielt er im Jahre 2010 den „Kulturpreis Schlesien“ des Landes Niedersachsen.

Kooperationspartner: Haus des Deutschen Ostens
Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München (S-Bahn: Rosenheimer Platz; Tram 17: Deutsches Museum; kein öffentlicher Parkplatz)
Beginn: 10.März 2020 um 19:00
Eintritt: frei
Anmeldung: nicht erforderlich.

Foto: HDO
Von links: Priv.doz. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens – Prof. Dr. Arno Herzig (Referent) – Johannes Rehm (kath. Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit)

 

Festliche Eröffnungsveranstaltung

Motto: „Tu deinen Mund auf für die Anderen“

im Saal des Alten Rathauses München
Veranstaltung für geladene Gäste
Am: Sonntag, 8. März 2020
Beginn: 16:30 Uhr

Von Links: Georg Eisenreich, MDL, Bay. Staatsminister der Justiz, Rektor Reiner Schübel (Evang. Vorstandsvorsitzender GcjZ München), Konrad O.Bernheimer (Unternehmer, Kunsthändler, Autor), Prof. Dr. Abi Pitum (Jüd. Vorstandsvorsitzender GcjZ München), Dr. Andreas Renz (Kath. Vorstandsvorsitzender GcjZ München)

Redner:
Begrüßung:  Prof. Dr. Abi Pitum, Jüdischer Vorsitzender

Grußworte:
Georg Eisenreich, Mdl, Bayerischer Staatsminister der Justiz

Anton Biebl, Kulturreferent der Stadt München

Musik

Einführung:
Reiner Schübel, Evangelischer Vorsitzender

Festvortrag:
Konrad O. Bernheimer, Unternehmer, Kunsthändler, Autor

Dankesworte:
Dr. Andreas Renz, Katholischer Vorsitzender

Musik

Musikalische Gestaltung

Mitglieder des Arcis Saxophonquartetts

Ricarda Fuss – Altsaxophon

Claus Hierluksch – Sopransaxophon

Rede von Herrn Staatsminister der Justiz Georg Eisenreich:


I.) Begrüßung
Ich darf ich Sie alle willkommen heißen zur Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit und Ihnen auch die herzlichen Grüße von Ministerpräsident Dr. Markus Söder überbringen.
Wir kommen heute zusammen unter einem Motto:

„Tu deinen Mund auf für die Anderen“
Ein treffendes, ein eindringliches, ein hochaktuelles Motto.

II.) Erinnerung
Die Geschichte lehrt gerade uns Deutsche nicht nur Wachsamkeit, sondern auch „wehret den Anfän-gen“, wenn

  • Ressentiments zunehmen,
  • rassistisches Gedankengut verbreitet wird
  • und politische Kräfte Stimmung gegen Minder-heiten machen.

Der Ausgangspunkt für den folgenden Naziterror, die Verbrechen, die Morde, die Todeslager waren Hass, Vorurteile, Ausgrenzung und Antisemitismus. Er begann hier in München mit der Gründung der NSDAP, vor 100 Jahren [24.02.1920]. München war Hauptstadt der Bewegung.
Wenn sich 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz Antisemiten aus der Deckung wagen, macht uns das sprachlos.
Aber: Es darf bei Sprachlosigkeit nicht bleiben. Im Gegenteil. Wir müssen „unseren Mund auftun“. Wir müssen reden. Und wir müssen handeln.
Unsere Demokratie, unser Rechtsstaat, unsere Freiheit, unsere Werte, die Menschenwürde sind nicht selbstverständlich. Das zeigt die Geschichte, aber auch die heutige Welt. Wir müssen das vertei-digen, jeden Tag aufs Neue.
Das „Nie wieder!“ Max Mannheimers – das ist

  • der Auftrag aus unserer Vergangenheit und
  • der Auftrag für unsere Zukunft.

Erinnern + Handeln.
Wir nehmen diesen Auftrag sehr ernst.

III.) Lehren für die Gegenwart
Das ist heute wichtiger denn je. Denn wir erleben auch in Deutschland Taten, die uns traurig machen und auch wütend. Antisemitismus nimmt zu.
Ich denke an den antisemitischen Terroranschlag von Halle (aber auch an den feigen Mord an Walter Lübke).
Ich denke aber auch

  • an Übergriffe auf jüdische Geistliche auf der Straße,
  • an Beleidigungen jüdischer Schülerinnen und Schüler
  • an Diffamierungen im Netz.

Ich möchte für die Bayerische Staatsregierung klar sagen: Antisemitismus hat in Bayern keinen Platz. Wir bekämpfen Antisemitismus konsequent.
Antisemitische Straftaten sind nicht nur Angriffe auf einzelne Menschen jüdischen Glaubens. Sie sind immer zugleich auch ein Angriff

  • auf unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung, auf unsere Werte,
  • auf unseren Rechtsstaat,
  • auf unsere Demokratie insgesamt.

Auf diese Verbrechen braucht es klare, unmissverständliche Antworten des Rechtsstaats. In Bayern gibt es diese klaren Antworten.
Wir müssen aber schon eingreifen, bevor aus Worten Taten werden:

  • Wir müssen jeden Tag aufs Neue dafür eintreten, dass die Grenze zwischen dem Sagbaren und dem Unsäglichen sich nicht verschieben.

Der Staat ist gefordert, aber auch die Gesellschaft. Gleichgültigkeit ist unverantwortlich. Elie Wiesel hat gesagt: Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Es ist Aufgabe jedes Einzelnen, am Gartenzaun, am Arbeitsplatz und in den sozialen Medien antisemitischen Äußerungen sofort zu widersprechen.
Die Demonstration am letzten Freitag am Platz vor der Oper war auch ein beeindruckendes Statement der Münchner Stadtgesellschaft.
Ein Teil der Gesellschaft meint,

  • dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist,
  • dass man dort tun kann, was man will,
  • dass man dort sagen kann, was man will.

Das dürfen wir nicht zulassen. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber sie endet dort, wo das Strafrecht beginnt.

  • Diejenigen, die dagegen in sozialen Netzwerken hetzen, drohen und beleidigen, dürfen sich nicht sicher fühlen.
  • Die geistigen Brandstifter, diejenigen, die nichts aus der Geschichte gelernt haben, müssen wir zur Verantwortung ziehen.
  • Wir tun das in Bayern.

IV.) Lebendige jüdische Kultur
Wir in München und in ganz Bayern sind stolz,

  • dass wir aktive jüdische Gemeinden haben, die fest zu unserer Gesellschaft gehören und sie bereichern.
  • dass jüdische Kultur, jüdisches Leben in Bayern blühen.

Und wir sind dankbar für alle, die ihren Mund auftun, die sich einsetzen

  • für Toleranz, Verständigung, Zusammenarbeit über Glaubensgrenzen hinweg,
  • für ein friedliches Miteinander.

Wenn wir gemeinsam – Christen und Juden –

  • den Kontakt suchen,
  • miteinander sprechen,
  • enger zusammenrücken,

können wir den Populisten, den Spaltern, den Het-zern entschlossen entgegentreten.

IV.) Schluss
Heute engagieren sich Menschen in bundesweit mehr als 80 lokalen und regionalen Gesellschaften unter dem Dach des Deutschen Koordinierungs-rats.
Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag

  • für die Verständigung und Zusammenarbeit zwi-schen Christen und Juden
  • und setzen Zeichen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus.

Der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen-arbeit München-Regensburg danke ich

  • für Ihr großes gesellschaftliches Engagement
  • und die Organisation der „Woche der Brüderlichkeit“ in München.

Ich wünsche allen Teilnehmern interessante Begegnungen und gute Gespräche.


Rede von Kulturreferent Anton Biebl der Stadt München:

Meine sehr verehrten Damen und Herren, MandatsträgerInnen, Kirchenvertretungen, wertgeschätzte Gäste

als Kulturreferent der Landeshauptstadt München und im Namen der Stadt ist es mir eine Ehre Sie heute hier im Alten Rathaussaal zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit sehr herzlich begrüßen zu dürfen.
Seit  nunmehr 68 Jahren feiert die Bundesrepublik Deutschland die Woche der Brüderlichkeit.
In München sind es sogar 69 Jahre, denn hier fand bereits 1951 regional die erste Woche der Brüderlichkeit statt, nachdem sich die Münchner Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit 1948 gegründet hatte.
Von Beginn an diente diese Veranstaltungsreihe der Versöhnung und dem Dialog zwischen Juden und Christen.
So kurz nach der Schoa ging es den Verantwortlichen vor allem darum, ganz im Sinne der Reeducation, die deutsche Zivilgesellschaft im Schatten ihrer Verbrechen an den europäischen Jüdinnen und Juden für jüdisches Leben und jüdische Kultur zu sensibilisieren, den Blick zu öffnen und Verständnis zu schaffen.
Viel wichtiger aber war, dass die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ein Zeichen setzen wollte für die Jüdinnen und Juden, die nach 1945 trotz ihrer Traumata und den Verletzungen, die sie und ihre Familien erlebt haben, wieder oder neuerdings in Deutschland lebten.

Die Woche der Brüderlichkeit sollte Ihnen Mut machen, dass ein anderes, ein neues Miteinander möglich ist und zeigen, dass sich nach 1945 allmählich neue zivilgesellschaftliche Strukturen auf Basis einer christlich-jüdisch-humanistischen Tradition in Deutschland herausbildeten.
Nicht nur die terroristischen Anschläge in den letzten Wochen und Monaten, auch ein zunehmend offen zu Tage tretender Antisemitismus und das zunehmende Gefühl einer schleichenden Entsolidarisierung zeigen, dass bis heute dieses Vorhaben nichts an seiner Dringlichkeit und Notwendigkeit eingebüßt hat.
Mich persönlich machen diese Entwicklungen verständnislos und zeigen auf dramatische Weise, wie notwendig es ist, dass alle demokratischen Kräfte dieser rechtsextremen Gewalt wirksam entgegen treten müssen.
Ich habe deshalb auch zum Beginn meiner Amtszeit als kulturpolitisches Ziel „Demokratie stärken => verteidigen?“ formuliert, d. h. -wir alle müssen- Haltung zeigen, wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte, der Demokratie, die Freiheit der Meinung, die Religionsfreiheit oder die Freiheit von Kunst und Wissenschaft oder die Gleichberechtigung geht.
Als demokratische Stadtgesellschaft müssen wir unsere Stimmen erheben und nicht das Feld den Antidemokraten – weder auf der Straße noch im Netz – überlassen.
Das sich zahlreiche Kulturinstitutionen bundesweit als „Die Vielen“ zusammengeschlossen haben ist wichtig und richtig und findet meine Unterstützung.
Die Unterzeichnenden verbinden sich solidarisch mit all den Menschen, die durch rechte Ideologien an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden sollen.
Denn: „Wir sind viele – jeder einzelne von uns“
Das Jahr 2020 läuft unter dem Motto »Tu Deinen Mund auf für die Anderen«.
Und dieser Imperativ, er ist der notwendige Aufruf der Stunde – jede Einzelne und jeder Einzelner möge versuchen in ihrem und seinen Alltag mit Vernunft und Solidarität gegen Rassismus, Antisemitismus, gegen das Vergessen der historischen Verantwortung vorzugehen und sein tägliches Tun darauf auszurichten.
Das jeder Einzelne, jede Einzelne viel bewirken kann, zeigen viele Beispiele, die Hoffnung geben, dass Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz entgegengetreten werden kann.
Ein solches ist für mich die Initiative des Münchner Kabarettisten Christian Springer, die Erinnerung an den verheerenden Brandanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße am 13. Februar 1970, der weitgehend in Vergessenheit geriet, wieder in die Erinnerung der Stadtgesellschaft zurückzuführen.
Seit Anfang Februar informiert ein „Erinnerungs-Container“ auf dem Gärtnerplatz an diesen Terroranschlag und hier in diesem Saal fand am 50. Jahrestag eine beeindruckende Gedenkfeier statt, Medien blickten umfassend auf die Ereignisse von 1970 zurück und die Rundgänge beim „Erinnerungs-Container“ haben so großen Zulauf, dass die Initiative nun bis Ende März verlängert wurde.
Das Kulturreferat hat diese Initiative gerne unterstützt und es ist mir ein großes Anliegen, jene,  die „ihren Mund für die anderen“ auftun möchten, Hilfe und Förderung zu geben, nicht nur finanziell, sondern auch durch unsere Einrichtungen wie z. B. dem Jüdischen Museum oder dem NS-Dokumentationszentrum, sei es fachlich inhaltlich oder organisatorisch.
Totzdem bin ich nachdenklich … Nachdenklich deshalb, weil ich mich frage, warum bestimmte Teile der Gesellschaft trotz aller Bildungs- und Vermittlungsangebote weiter nach rechts rutschen.
Und deshalb müssen wir uns auch bei unseren kulturellen Angeboten immer fragen, erreichen wir die bzw. wie erreichen wir die, die Demokratie- und Menschenrechtsbildung am nötigsten brauchen ???
Vielleicht haben sie es erlebt, oder waren selbst dabei: Aufgerufen von „Bellevue di Monaco“ haben am Freitag, den 6. März, unter dem Motto „just don-t do it“ um die 5500 Menschen in München am Max Joseph Platz gegen rechten Terror  und nationalsozialistische Parolen demonstriert.
Sie wollten damit Zeichen setzen – ich zitiere –  „dass ein ehrliches, fruchtbares, freundliches, respektvolles und verantwortungsvolles Miteinander nur durch das entschlossene Ausgrenzen von Faschisten, Nazis und ihren Sympathisant*innen funktionieren kann.“
=> Das macht Mut
Ein weiteres wichtiges städtisches Beispiel sind die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die vom 19. März bis 5. April von der Fachstelle für Demokratie im Rathaus koordiniert werden.
Die Woche der Brüderlichkeit hat die jüdisch-christliche Verständigung und damit auch den gemeinsamen Kampf gegen jede Form des Antisemitismus zum Ziel, ein Ziel, das wir – die Stadt und das Kulturreferat –  nach Kräften unterstützen und aktiv mitgestalten.
In diesem Sinne darf ich auch den ehrenamtlichen Organisatoren der „Woche der Brüderlichkeit“ für ihr Engagement sehr herzlich danken und darf den zahlreichen Veranstaltungen in den nächsten Tagen einen regen Zuspruch wünschen, verbunden mit der Hoffnung, dass möglichst viele hier in unserer Stadt über das diesjährige Motto nicht nur reflektieren sondern es auch persönlich aufgreifen.
– etwas länger geworden, war mir aber wichtig; Haltung zu zeigen –

Vielen Dank

Bild vorne: Anton Biebl, Kulturreferent der Stadt München

Hinführung zum Festredner Konrad O. Bernheimer
von Rektor Reiner Schübel

Konrad O. Bernheimer kurz vorzustellen ist, verehrte Festgäste, eine ehrenwerte und zugleich unmögliche Aufgabe. Es ist unmöglich, da er einer der bekanntesten Persönlichkeiten in der europäischen Kunstszene und einer der besten Kenner der Alten Meister weltweit ist.
Und es ist unmöglich, da er so viele Facetten hat, so dass die Zeit gar nicht ausreicht, ihm und seiner Schaffenskraft auch nur annähernd gerecht werden zu können.

Dennoch seien kurze Blicke der Hinführung erlaubt und geboten, um den heutigen Festredner zu skizzieren: als Unternehmer, Kunsthändler und Autor.   

Zum ersten: Der Unternehmer

Es war Konrad O. Bernheimers Großvater Otto, der dem Enkel Konrad nicht nur den zweiten Vornamen – Otto – vererbte, sondern den jungen erst 27jährigen Enkel 1977 in die Geschäfte des Hauses Bernheimer einführte. Als geschäftsführender Gesellschafter und Komplementär übernahm Konrad Otto Bernheimer das Familienunternehmen im Bernheimer-Haus am Lenbach-Platz, einem der bereits im 19. Jahrhundert bedeutendsten Häuser für Einrichtungen, Kunst und Antiquitäten weltweit. Sein Geschäftssinn war schon im frühen Alter ausgeprägt, so dass er bereits fünf Jahre später seine Mitgesellschafter mittels eines Bankkredits ausbezahlte und so neben seinen beiden Schwestern Mehrheitseigentümer wurde.

Doch schon im zarten Alter von 6 Jahren wurde er von seinem Großvater darauf vorbereitet. Er sollte den Kunst- und Antiquitätenhandel von der Picke auf lernen. Dazu musste er mehrmals am Nachmittag im Geschäft seines Großvaters antreten. Dort wurde er dann von den Abteilungsleitern in den verschiedenen Disziplinen unterrichtet: von antiken Möbeln über Porzellanen und Skulpturen bis hin zu Orientteppichen.

Zum Zweitens: Der Kunsthändler

Es war derselbe Großvater Otto Bernheimer, der dem jungen Konrad die Spur legte, sich hin zum Kunsthandel mit Alten Meistern zu bewegen. Denn schon im frühkindlichen Alter brachte er ihm bei, sich auf einen Museumsbesuch gezielt vorzubereiten, nie eine Ausstellung, sondern immer nur ausgewählte Bilder anzusehen und diese in sich geradezu aufzunehmen.

Dies führte dazu, dass Konrad Otto Bernheimer sich ganz dem Kunsthandel zuwandte, den Stammsitz der Familie am Lenbachplatz verkaufte und das Unternehmen in Bernheimer Fine Old Masters umbenannte; mit Geschäftssitz zunächst am Promenadenplatz und ab 1998 in der Brienner Straße. Seit 2002 übernahm er zudem noch die alteingesessene Londoner Kunsthandlung Colnaghi und fusionierte diese mit der spanischen Kunsthandlung Coll & Cortés.

Und zum Dritten: Der Autor

Mehr noch als durch die gekonnt erzählte Familiengeschichte unter dem Titel „Narwalzahn und die alten Meister“ ist er bekannt durch sein 2019 veröffentlichtes Buch „Gebrauchsanweisung fürs Museum“.

Geschult von seinem Großvater und von Prof. Willibald Sauerländer hat Konrad Otto Bernheimer die alten Meister neu sehen gelernt. Mit seiner „Gebrauchsanweisung fürs Museum“ lässt er seine Leserinnen und Lesern daran teilhaben und lehrt „die hohe Kunst der Kunstbetrachtung“, wie Charlotte Knobloch treffend formuliert, ja, Charlotte Knobloch,
die uns und Herrn Bernheime heute gleichermaßen die Ehre erweist!

Ja, auch ihm, den 1950 in Venezuela geborenen Sohn einer venezulanisch-kath. Mutter und eines deutsch-jüdischen Vaters, der nach Misshandlungen durch die Nazis im KZ Dachau und der Enteingung zusammen mit dem Großvater und einem Großteil der Familie nach Venezuela emigrierte,

ja, ihm, Konrad Otto Bernheimer, der nach dem frühen Tod seines Vaters 1954 in München aufwuchs, aber bereits in jungen Jahren bei Christis in London weilte und heute zwischen München und London lebt; gemeinsam mit seiner Frau Barbara, mit der er vier Töchter hat, von denen zwei heute unter uns sind.

An diese Lebenserfahrungen zu erinnern – sahar – von seiner Weltoffenheit und christlich-jüdischen Prägung der Familiengeschichte und seiner Person, die das christlich-jüdische Gespräch in sich trägt, zu lernen – lamad – um so neu inspiriert und gestärkt gegen das Gift von Hetzern und Hassern, AfDlern und Nazis –  den Mund aufzumachen für die anderen!– dabar – ist heute unser Zeichen gegen  Antisemitismus, Rassismus, Demokratiefeindlichkeit, Hetze und Hass im Netz, in Stadien und auf den Straßen!

Sehr geehrter Herr Bernheimer, wir freuen uns auf Ihre Festrede!

–  the floor is yours!

Festrede von Konrad Bernheimer:

Festredner: Konrad O.Bernheimer

Sehr geehrter Herr Staatsminister,
sehr geehrter Herr Biebl, Kulturreferent der Stadt München
liebe verehrte Frau Knobloch,
Hochwürdigster Herr Kardinal,
verehrte Damen und Herren der Geistlichkeit,
meine sehr verehrten Damen und Herren:

Zunächst möchte ich Ihnen, lieber Herr Dr. Pitum, als dem jüdischen Vorsitzenden und Ihnen beiden, den christlichen Kollegen der Gesellschaft für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit herzlich danken, dass ich heute hier zu Ihnen sprechen darf.
Hier, und zu diesem Anlass sprechen zu dürfen, ist, wie ich weiß, nicht etwas Alltägliches, und für diese Ehre möchte ich mich sehr bedanken.
Sie, lieber Herr Dr. Pitum, sagten zu mir, Sie hätten mich eingeladen an diesem Tag eine Rede zu halten, da ich in mir beide Seiten vereinigt hätte: die christliche und die jüdische.
Heute ist es wohl so, aber lange hätte ich das anders formuliert:
eigentlich bin ich mein Leben lang zwischen zwei Stühlen gesessen. Oder: Nichts Halbes und nichts Ganzes. Wie ich das meine will ich Ihnen im Folgenden gerne erklären:
Wie manche von Ihnen wissen, sind die Bernheimers eine alte Münchner jüdische Familie. Der Urgroßvater eröffnete, nachdem er das volle Bürgerrecht der Stadt München erhalten hatte, sein erstes eigenes Ladengeschäft am heutigen Salvatorplatz, im Jahr 1864. Bald wurde er Königlich-Bayerischer Hoflieferant und erhielt als erster bayerischer Bürger den Titel eines Königlich-Bayerischen Kommerzienrates. Die königliche Gunst erfuhr mein Urgroßvater zunächst von König Ludwig II. und dann vom Prinzregenten Luitpold.
Das Geschäft wuchs sehr schnell, und bereits im Jahr 1889 konnte er sich an das große Projekt wagen: das Wohn- und Geschäftshaus am Lenbachplatz. Zur Eröffnung erschien damals der Prinzregent persönlich. Das Haus Bernheimer galt damals als eines der größten und bedeutendsten Häuser für Einrichtungen, Kunst und Antiquitäten weltweit.
Aber: für meine Familie war hierbei das eigentlich Wichtige etwas ganz anderes: dass sie den großen Traum des Deutschen Judentums am eigenen Schicksal erfüllt sahen: Die volle Akzeptanz als Bürger ihrer Stadt mit allen Ehrungen, die man als Kaufmann in jener Zeit erhalten konnte. Meine Familie fühlte sich durch und durch assimiliert. D.h. die Bernheimers fühlten sich gesellschaftlich nicht nur „angekommen“, sondern sie fühlten sich als Teil der Münchner Gesellschaft und auch wirklich akzeptiert.
Allerdings währte dieser Traum nicht lange.
Der große Traum einer vollständigen Assimilation, der Traum des 19.Jahrhunderts, wie Michael Brenner in seinem Buch „Der lange Schatten der Revolution“ überzeugend darstellt, war bereits Anfang der zwanziger Jahre ausgeträumt. Der offene Antisemitismus wurde schon damals immer aggressiver.
Thomas Mann bezeichnete München bereits im Jahr 1924 als „die Stadt Hitlers“, und Lion Feuchtwanger beschreibt, ebenfalls bereits in den zwanziger Jahren, geradezu prophetisch den Aufstieg Adolf Hitlers in seinem Buch „Erfolg“. Oder wie Max Liebermann es ausdrückte, allerdings erst nach der Machtergreifung: Man hatte sich dem Traum der vollständigen Assimilation hingegeben, und jetzt war man aus diesem Traum erwacht…
Dass es selbst den völlig assimilierten Familien, denjenigen die sich selbst deutscher als jüdischer empfanden, nicht gelingen konnte dem Rassenwahn zu entgehen, ist ebenso erschreckend wie der Angriff auf Deutsche Mitbürger heute, die einen Migrationshintergrund haben, obwohl sie in Deutschland, häufig schon in zweiter Generation geboren wurden.
Man hätte die Zeichen der Zeit viel früher erkennen können oder gar müssen, aber viele, die meisten jüdischen und christlichen Deutschen haben die Augen vor der Wahrheit verschlossen.
Und die Juden, die sich so sehr die Assimilation gewünscht hatten, wollten nicht aufwachen, in eine Realität, die mit dem Traum der Assimilation nicht mehr viel gemeinsam hatte.
Viele deutsche Juden schauten weg, so wie die meisten deutschen Mitbürger, sie wollten nicht hinsehen. Dachau gab es bereits im März 1933.
Menschen begannen bereits damals zu verschwinden. Und viele jüdische Familien, so wie auch meine, verhielten sich wie die Mehrheit ihrer Nachbarn: sie sahen nicht hin. Es wird schon gut gehen, so schlimm wird es nicht werden: das war der Gedanke oder die Hoffnung, der meisten.
Aber wer konnte sich auch das ganze Ausmaß der Shoa, der geplanten Vernichtung des Europäischen Judentums damals vorstellen? Das, was kommen sollte, war unvorstellbar, im wahrsten Sinne des Wortes: man konnte es sich nicht vorstellen.
Aber, wie ich in meiner Familie feststelle: es war für manche Familien auch ein Generationenkonflikt.
Die Generation meines Vaters und seiner Cousins wollten sehr bald nach 1933 das Land verlassen. Es waren die Väter, die sie daran hinderten. München ist unsere Heimat, dies ist unsere Firma, dies ist unser Leben! Wir gehen nicht weg. Und die Firma verkaufen? Das war undenkbar.
Oder wie es Onkel Ernst, der Bruder meines Großvaters auch formulierte: Man hätte schon wegen der schieren Größe der Firma und des Hauses keinen Käufer gefunden, der das hätte stemmen können. Die Firma schien zu groß für eine Übernahme.
(Als es dann später doch zur Arisierung kam, war es keine Privatperson, sondern es war die Partei.
Die NSDAP holte sich letztlich den ganzen Besitz der Bernheimers, im Wege der Verrechnung mit allen möglichen Steuern, wie der Judenabgabe, der Reichsfluchtsteuer, u.a. mehr).
Die Nürnberger Rassegesetze, die Ausgehverbote, der Ausschluss aus dem Rotary-Club, dem Künstlerhaus-Verein, den mein Großvater mitbegründet hatte, und die vielen anderen Einschränkungen, mit denen man als Jude in München nach und nach zu leben hatte:
Damit lernte die Familie umzugehen, immer in der Hoffnung, der böse Traum würde wieder enden. Aber all die Einschränkungen blieben bei meiner Familie ohne Wirkung.
Die Familie glaubte einfach nicht daran, so wie viele andere auch, dass noch Schlimmeres passieren könnte. Und entscheidend war, als was sie sich fühlten:
Mein Großvater sagte einmal: „Wir waren Deutsche, durch und durch. Erst Hitler hat uns zu Juden gemacht.“
Man überstand die Inflation, die grosse Weltwirtschaftskrise, zwar mit Blessuren, und man überstand die häufiger werdenden Anfeindungen.
Aber dann kam das Jahr 1933, und das Unglaubliche wurde wahr: Adolf Hitler wurde Reichskanzler.
In den ersten Jahren glaubte man sich sogar in gewisser Weise protegiert, denn die Geschäfte liefen gar nicht so schlecht, viele Nazibonzen mussten sich ja schließlich neu einrichten, weil sie größere Häuser bezogen, und sogar Göring hatte bei meinem Großvater Teppiche für Carinhall erworben.
Und dann war es eines Tages zu spät. Es war die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Alle männlichen Mitglieder der Familie wurden verhaftet und kamen nach Dachau.
Mein Großvater, der nicht ahnte, was da auf die Juden insgesamt und seine Familie zukam, befand sich in Baden-Baden zur Kur. Dort wurde er im Hotel verhaftet, während mein Vater und die anderen Familienmitglieder bereits in Dachau waren.
Erst nach zwei Tagen sahen sie sich wieder, als sie beim Appel zufällig nebeneinander standen. Und das ist die schrecklichste Stelle in den Berichten meines Großvaters:
Wenn er beschreibt wie er und mein Vater beim Appell nebeneinander standen, aber sich nicht erkannten, geschoren und geschunden wie sie waren.
Aber meine Familie konnte dem Schicksal der meisten anderen Gefangenen entgehen: Durch eine glückliche Fügung war mein Großvater einige Jahre zuvor Honorarkonsul von Mexiko geworden, und es war der mexikanische Präsident, der sich persönlich einschaltete und die Ausreise der Familie nach Venezuela bewirkte. Bis es allerdings so weit war, musste mein Vater einige Wochen in den Kellern des Wittelsbacher Palais verbringen, in den Kerkern der Gestapo.
Dort muss man ihn schwer misshandelt haben, und er kam heraus, geschunden an Leib und Seele.
Schließlich, nach einer langen Odyssee in Venezuela angekommen, richtete sich die Familie auf einer Kaffeeplantage ein. Und dort, in einem kleinen Dorf in den Anden, wurde ich geboren, auf eben dieser Kaffeeplantage,
wohin es die Bernheimers verschlagen hatte. Mein Vater heiratete eine der schönen Töchter des Nachbarn, er liess sich taufen, sonst hätte er die Tochter einer venezolanischen streng katholischen Familie nicht heiraten dürfen.
Der Dominikanerpater, der meinen Vater taufte, blieb bis zu seinem Tod einer seiner engsten Freunde. Der Pater hat auch meine Schwestern und mich getauft.
Mein Vater wollte nichts mehr von Deutschland wissen. Er wollte nicht mal mehr Deutsch sprechen, seinen Bruder Ludwig nannte er nur noch Luis.
Mein Großvater jedoch, er konnte es nicht erwarten, wieder nach München zurückzukehren, zu gross war sein Heimweh nach München. Im August 1945 war er zum ersten Mal wieder hier und wollte sehen, was von der Firma noch übrig war.
In meiner Familie hat niemand den Großvater verstanden, wie er dazu in der Lage war, nach alldem wieder zurückzukehren.
Mein Vater weigerte sich, dem Wunsch seines Vaters zu entsprechen und nach München zu kommen, um ihm beim Wiederaufbau des Hauses Bernheimer zu unterstützen. Aber mein Vater kam nicht. Er nahm sich vorher in Venezuela das Leben.
Und so kam ich im Jahr 1954 nach München zu meinem Großvater, mit meiner Mutter und meinen beiden Schwestern, ohne meinen Vater.
Die Nachkriegszeit war die große Zeit des Schweigens, wobei es nicht nur das Schweigen der Täter gab, nein, auch das Schweigen der Opfer.
In meiner Familie, so wie in vielen anderen, wurde über die Vergangenheit, die man glücklicherweise überlebt hatte, nicht gesprochen. Noch nicht einmal über den Tod meines Vaters wurde gesprochen. Erst viele Jahre später bestätigte mir eine Schwester meiner Mutter, was ich längst vermutet hatte: dass sich mein Vater das Leben genommen hatte. Vorher war immer von einem Autounfall gesprochen worden.
Die Wahrheit über die Einzelheiten seines Suizids fand ich erst viele Jahre später heraus, als ich das Buch über die Geschichte meiner Familie schrieb.
Aufgewachsen bin ich in München ohne jegliche Kenntnis der jüdischen Vergangenheit meiner Familie.
Als ich in München in den Kindergarten kam, sprach ich kein Wort Deutsch. Zuhause sprachen wir nur Spanisch. Ich hatte einen Kindergartenfreund, der mich verteidigte, wenn mich die anderen Kinder im Kindergarten ausgrenzten, weil ich kein Wort Deutsch sprach. Meine Mutter war streng katholisch, und über das Judentum wurde nicht gesprochen.
Er war ein Jahr älter und grösser als ich. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass seine Mutter Jüdin war, und erst vor kurzem, erst letztes Jahr, ein paar Monate bevor er starb, erzählte er mir, dass seine Mutter ihm gesagt hatte, er solle mich, den kleinen Judenjungen im Kindergarten verteidigen. Ich hatte davon keine Ahnung.
Ich selbst wurde mit dem Judentum meiner Familie zum ersten Mal konfrontiert bei der Beerdigung meines Großvaters auf dem Jüdischen Friedhof in München. Und auch das war etwas eigenartig: denn bei der Beerdigung sprach einer seiner engsten persönlichen Freunde, und der war Katholik: Der damalige Abt von Ettal. Was nicht jedem der Anwesenden
recht war.
Ich kannte die Fotos, die auf dem Nachttisch des Großvaters standen: von seinem Freund Oskar von Miller, dem Kronprinzen Ruprecht von Bayern, und von Kardinal Faulhaber.
Das scheint übrigens eine jüdische Eigenart zu sein: Ich kenne viele bedeutende jüdische Sammler, vor allem in den USA, die christliche Kunst sammeln. Aber bei meinem Großvater war es – über das Sammeln christlicher Kunst hinaus – anders: er hatte tatsächlich eine Affinität zur
katholischen Kirche.
Meine Damen und Herren, jetzt wissen Sie es: ich bin als Katholik aufgewachsen. Nur, eigenartigerweise, oder vielleicht ist das ganz normal: ich fühlte mich im Laufe der Jahre, je älter ich wurde, immer jüdischer.
Erst spät wurde mir klar, dass mich viele Menschen in meiner Umgebung ohnehin als jüdisch ansehen.
Sie sehen:
Man kann vor seinem eigenen Schicksal nicht davonlaufen. In jüngster Zeit mehren sich die antisemitischen, rassistischen und diskriminierenden Angriffe auf Bürger unseres Landes, schiere Gewalt. Halle, Hanau, und sogar beim Fußball. Es ist unfassbar. Wir stehen alle, die Gesellschaft und die Politik, diesem Wiederaufflammen der Gewalt fassungslos gegenüber.
Wir verstehen es nicht, und suchen nach Erklärungen.
Aber wir wissen auch eines: aus aggressiven, rassistischen und diskriminierenden Worten werden Taten folgen!
Und eines wissen wir ganz sicher: dass sich Geschichte, vor allem diese deutsche Geschichte nicht wiederholen darf!
Ich habe mich immer wieder gefragt, wie war ist möglich, dass Menschen zu Massenmördern werden? Es ist so viel darüber geschrieben worden, und dennoch verstehe ich es nicht. Aber das kann letztlich vielleicht niemand.
Spätestens im Juli 1938 zur Konferenz in Evians wusste man, was Hitler vorhatte, und keiner half. Die USA nahmen keine jüdischen Flüchtlinge mehr auf. Fast alle anderen Länder schlossen sich an.
Hitler stellte die Welt auf die Probe. Vier Monate später war die Kristallnacht, auch da reagierte die Welt nicht. Die Welt war nicht interessiert. Von da an wusste Hitler, dass die Welt nicht eingreifen würde, dass er mit seinem grossen Plan zur Vernichtung der Juden beginnen konnte.
Das Nicht-tätig-werden, das Nicht-eingreifen, das tatenlose Zusehen. All das führte zu Auschwitz hin. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, sagte in seiner diesjährigen Rede in Auschwitz:
Zu viele Menschen in zu vielen Ländern machten Auschwitz möglich – durch ihr tatenloses Zusehen!
Und Eli Wiesel sagte zu Ronald Lauder: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“ – Diese Gleichgültigkeit ermöglichte Auschwitz.
Das Nicht-Hinschauen, die Gleichgültigkeit. Das sich Nicht-Einsetzen für die anderen, das müssen wir alle gemeinsam bekämpfen, jeder für sich selbst.
Damals hätte man gegen diese Spirale der Gewalt ankämpfen müssen, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in der internationalen Staatengemeinschaft! Und daher haben wir heute alle gemeinsam die Verpflichtung aktiv gegen den Antisemitismus, jeder auf seinem Platz zu kämpfen, wo immer diese Plage auftritt.
Das Erinnern ist wichtig, aber nur das Erinnern, das Nicht-Vergessen – ohne Taten folgen zu lassen, das wird nicht mehr genügen im Kampf gegen den Antisemitismus.
Bis vor ein paar Jahren glaubten wir, wieder da angekommen zu sein, wo wir im 19. Jahrhundert waren. … Wir haben wieder den Traum geträumt, dass die jüdischen Mitbürger in Deutschland in Frieden und Ruhe leben könnten, ohne antisemitische Anfeindungen, ohne Gefahr für Leib und
Leben.
Leider ist das seit einiger Zeit nicht mehr der Fall. Die Angriffe der Rassisten und Antisemiten häufen sich in erschreckender Weise.
Haben wir, in meiner Familie je daran gedacht, wir würden eines Tages wieder darüber nachdenken müssen, dass Juden in diesem Land nicht sicher leben können?
Deutschland, und in meinem Fall ganz speziell München – das ist meine Heimat.
Es bleibt mein unverbesserlicher Optimismus – aber mit dem allein ist es leider nicht getan. Wir müssen etwas dafür tun, wir müssen alle sehr viel dafür tun.
Bundespräsident Steinmeier betonte vor ein paar Tagen, anlässlich der Trauerfeier in Hanau, dass die ganz grosse Mehrheit in diesem Land gegen Ausgrenzung und Ressentiments und gegen Hass und Gewalt ist. Aber, so fügt er hinzu: die Mehrheit darf nicht mehr schweigend zusehen.
„Die Mehrheit muss sich zeigen!“
Erst vor kurzem hier, in diesem geschichtsträchtigen Saal, in dem Goebbels zur Kristallnacht aufrief, fand aus Anlass des 50. Gedenktags des Brandanschlags auf das Jüdische Altersheim in der Reichenbachstraße ein sehr berührender Festakt statt.
Esther Schapira, Redakteurin für Politik beim Hessischen Rundfunk, hielt eine beeindruckende Rede, die mir aus der Seele sprach.
Sie verdeutlichte sehr eindrücklich, dass der Antisemitismus lebt und ständig unter uns ist. Und sie sagte auch, was ich nur unterschreiben kann, dass der feinsinnige Unterschied zwischen Israelhass und Judenhass damals wie heute unsinnig ist, man begibt sich da auf sehr dünnes Eis.
Ich würde hinzufügen: Ich glaube, es ist nicht nur unsinnig, es ist ein sehr gefährlicher Schritt hin zum Antisemitismus.
Denn es ist für manchen, der sich Luft machen möchte über „die Juden“, sichtlich einfacher, weil gesellschaftlich scheinbar akzeptabler, wenn man die Politik Israels kritisiert.
Und von der Kritik an der Politik Israels kann man sehr schnell zum Existenzrecht Israels kommen. Aber auch umgekehrt:
Von der Kritik an der Politik Israels – mit der man ja durchaus nicht immer einverstanden sein muss – gerät man manchmal in eine Ecke, in die man eigentlich gar nicht will.
Wie gesagt, sehr dünnes Eis!
In der Zeit des Schweigens nach dem Krieg gab es viele Tabus, Dinge, über die man nicht sprach, über die man nicht sprechen durfte. Dass wir heute über die Verbrechen wieder sprechen können ist gut. Denn wir müssen die Erinnerung daran wachhalten.
Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, und dann wird es niemand mehr geben, der sich an die Zeitzeugen erinnert!
Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen alle gegen das Vergessen ankämpfen.
Denn: Es gibt keine Zukunft ohne Erinnerung.
Meine Damen und Herren, zum Abschluss möchte ich Ihnen noch eine kleine Geschichte erzählen:
Meine Mutter war mit mir und meinen Schwestern in Rom, als wir noch alle Kinder waren. Wir besuchten die prächtige römische Synagoge am Tiber.
Da kam uns ein älterer Herr mit einem langen Bart entgegen, der uns sehr freundlich grüßte und uns fragte, ob er uns die Synagoge zeigen dürfte.
Meine Mutter war sehr beeindruckt, offenbar nicht nur von der Synagoge, sondern auch von der Freundlichkeit des alten Mannes, der vielleicht der Rabbi oder der Synagogendiener war, und sie erzählte ihm, unsere Familie hätte auch jüdische Wurzeln.
Den alten Mann ließ das jedoch völlig unbeeindruckt, er breitete seine Arme aus und sagte: – „Siamo tutti figli di Dio!“ –
Für mich heisst das, vor allem heute, in dieser schwierigen
Zeit, nichts anderes als:
Wir sind alle Kinder Gottes: ob Christen, Juden oder Moslems, oder: zwischen den Stühlen…
Und in diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir uns immer erinnern:

Wir dürfen niemals gleichgültig sein!

„Tu Deinen Mund auf für die Anderen!“

Vielen Dank

 

Von links: Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Konrad O.Bernheimer, Rektor Reiner Schübel, Dr. Andreas Renz

Beim Warmspielen: Geschwister Maria Well ((Violoncello); Matthias Well (Violine)

Sie spielten: 1. Astor Piazolla: Tangos „Bonsoir“, „Saint Louis en I´lle“ – 2. Erwin Schulhoff: „Zingaresca“ – 3. Wilde Polka

Pastorin Heidemarie Klingeberg mit Archimandrit Siomos