Gott der Rache – Gott der Liebe: Glauben Christen und Juden an den gleichen Gott?

Vortrag von Kirchenrat Reiner Schübel

Wenn Christen von Gott reden, so ist oft – unausgesprochen oder ausgesprochen – ein Gegensatz zum Alten Testament und damit zu Juden im Spiel: Danach ist Gott, wie er von Jesus ins Gespräch gebracht und im Neuen Testament dargestellt wird, ein liebender Gott, während der alttestamentliche Gott als Rache-, Richter- und Kriegsgott in Erscheinung tritt. Pointiert formulierte ein Theologe, Rache habe ihn „den eigenartigen religiösen Glauben des Alten Testaments scheiden gelehrt von der evangelischen Botschaft des Neuen“. Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht dementsprechend Feindpsalmen als „jüdische Hassgebete“, mit denen Juden Gottes Rache fordern.

Mitveranstalter: Christuskirche, Pfarrei St. Theresia, Evangelisches Bildungswerk München e.V., Münchner Bildungswerk e.V.

Anmeldung nicht erforderlich

Ort: Gemeindesaal der Christuskirche, Dom-Pedro-Platz 5, 80637 München
Anfahrt: U-Bahn: U1 Richtung Olympia-Einkaufszentrum, Ausstieg: Gern, zu Fuß ca. 650 m)
Uhrzeit: 19.30 Uhr
Eintritt: frei

„Jedes Wort hab ich vergoldet….“ – Das faszinierende Leben der Else Lasker-Schüler

Vortrag von der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Petra Urban

Anmeldung erbeten über GcjZ: Tel. 59 47 20 oder info@gcjz-m.de

Ort: Lydiasaal, Marsstraße 5/III, 80335 München

Anfahrt: S-Bahn/U-Bahn: Ausstieg Hauptbahnhof, Ausgang Arnulfstraße

Uhrzeit: 19.00 Uhr
Eintritt: frei

„Hass schachtelt ein“
Vortrag über die Dichterin Else Lasker-Schüler

„Dieser Abend war ein richtiges Erlebnis“, hieß es nach dem Vortrag von Petra Urban, die von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V. eingeladen war, um über Else Lasker-Schüler zu sprechen, jene Dichterin „mit dem Jubel in der Brust“, deren 150 Geburtstag im Februar des kommenden Jahres ansteht. Bevor die Schriftstellerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin über das abenteuerliche Leben und Schreiben der exzentrischen Künstlerin, die als Jüdin aus Deutschland fliehen muss, sprach, erinnerte Kirchenrat Reiner Schübel in einleitenden Worte an deren hochaktuelle Lebensmaxime: „Man muss immer denken, und man muss sprechen.“
Der Vortrag der aus Bingen am Rhein angereisten Referentin war eine kunstvolle, einfühlsame Collage aus biografischen Notizen und Gedichten. „Wo keine Liebe glüht, / Verblüht das Leben ungeküsst / Im Juden und im Christ, im Heiden und Buddhist“, zitierte sie und erklärte, dass Else Lasker Schüler, die mit dem „blau blühenden Herzen“, bis an ihr Lebensende nicht müde geworden ist, die Liebe zu beschwören. „Hass schachtelt ein wie hoch die Fackel auch mag schlagen.“
Durch das Verschmelzen von Lyrischem und Biografischem verlieh Petra Urban der Dichterin, die 1869 als sechstes und letztes Kind eines gutbürgerlichen jüdischen Hauses in Wuppertal geboren, und im Alter von 74 Jahren in Jerusalem gestorben ist, sehr eindringlich Leben. In vielen ihrer Gedichte, so führte sie aus, ist das Schicksal der Vertreibung Sprache geworden, beschwörende, eindringliche Sprache. „Es ist ein Weinen in der Welt, / Als ob der liebe Gott gestorben wär, / Und der bleierne Schatten, der niederfällt, / Lastet grabesschwer.“ In einem ihrer innigsten und schönsten Gedichte aus den letzten Jahres, es heißt „Mein blaues Klavier“, bringt sie ihren Zustand der Verlassenheit, ihr Gefühl der Hoffnungslosigkeit in ein bewegendes, in ein blaues Bild. Blau, die Farbe der Sehnsucht, der Unendlichkeit, ihrer Meinung nach die Lieblingsfarbe Gottes. „Ich habe zu Hause ein blaues Klavier / Und kenne doch keine Note. / Es steht im Dunkel der Kellertür, / Seitdem die Welt verrohte.“
Wie sehr die Gedichte, die allesamt von tiefempfundener Wahrhaftigkeit, Menschlichkeit und der Suche nach Liebe künden, die Herzen an diesem Abend bewegten, zeigte die atemlose Stille während des Vortrages und die anschließenden, sehr angeregten Gespräche am Büchertisch. „Was ich heute gehört habe, wird noch eine ganze Weile nachwirken“, sagte Ordinariatsdirektorin Dr. Gabriele Rüttiger. „Sie haben mich mit Ihren Worten tief berührt“, formulierte eine ältere Besucherin und fügte hinzu: „Ich habe schon lange einen Gedichtband von Else Lasker-Schüler im Regal stehen, nach Ihrem Vortrag habe ich tatsächlich Lust bekommen, ihn gleich mal raus zu suchen.“
Etwas in Worte fassen, so Petra Urban, heißt hoffen, dass es gehört wird. Mit ihren Vortrag, so betonte sie, wolle sie nicht nur der Erinnerung, sondern auch der Hoffnung eine Stimme geben, der Hoffnung auf eine friedlichere Welt. Das Zauberwort heißt auch heute „Liebe“!

Stammtisch

Anmeldung erbeten über GcjZ: Tel. 59 47 20 oder info@gcjz-m.de

Ort: Hofbräukeller am Wiener Platz, Innere Wiener Straße 19, 81667 München (bei schönem Wetter im Biergarten) (Anfahrt: U-Bahn: U4, U5 Max-Weber-Platz und Tram Linie 16 Wiener Platz; Linie 19 / 15 / 25 Max-Weber-Platz)

Beginn: 18.00 Uhr

Festvortrag Prof. Walter Homolka anlässlich 70 Jahre Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München – Regensburg

Festvortrag am 9. Juli 2018 im Sophiensaal München
anlässlich 70 Jahre Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München – Regensburg:
Herausforderungen im interreligiösen Dialog im Wandel
Landesrabbiner a.D. Univ.-Prof. Walter Homolka PhD PhD DHL
Geschäftsführender Direktor des Instituts für Jüdische Theologie der Universität Potsdam

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